Die beiden neuen Stadtteile von Bad Herrenalb, Rotensol und Neusatz, sind zwei der vier
                  ehemaligen Klostergemeinden, die früher zum Kloster Herrenalb gehörten (Bernbach und Dobel
                  zählten außerdem dazu).
                  Neusatz wurde 1257 als Nivsatz zum erstenmale urkundlich erwähnt. Dem Namen nach handelt
                  es sich um eine neue Siedlung ("neu" = Neuland, wahrscheinlich jüngste Gründung auf der
                  Höhe; "satz" bedeutet im Mittelhochdeutschen einen Ort, an dem etwas hingesetzt oder
                  hingepflanzt wurde).
                  Im Jahre 1148 wurde von Graf Berthold von Eberstein das Zisterzienser-Kloster Herrenalb
                  gegründet. Er überließ das um das Kloster liegende Gebiet und damit auch das Gelände der
                  heutigen Stadtteile Neusatz und Rotensol dem Kloster zur Nutznießung. Durch Rodekolonisation
                  dürften um das Jahr 1150 Neusatz und Rotensol ihren Ursprung haben und im Laufe der Zeit
                  als Waldhufendörfer entstanden sein. Die Hufenflur ist heute im Verlauf einiger Feldwege gut zu
                  erkennen. Unter einer Hufe wird ein geschlossenes Besitzstück verstanden, das so groß ist, das
                  es die Besitzer ernährt. In unserem Falle handelt es sich um schmale, sehr langgestreckte Hufen.
                  An den Hof schließen sich dabei Garten, Obstgarten, Feld, Wiese und im Regelfall Wald an. So
                  liegen beide Orte wie eine lichte Insel  (1) (2)  inmitten herrlicher Tannenwälder.
                  Außer den Ebersteinern besaßen auch die Herren von Vaihingen (Enz) Rechte an dem Gebiet.
                  Als Konrad von Vaihingen im Jahre 1263 auf Neusatzer Rechte zugunsten des Klosters
                  verzichtete, war das Schicksal des Ortes ganz mit dem des Klosters verbunden. Die Bewohner
                  wurden leibeigene Untertanen des Klosters und diesem zehntenpflichtig.
                  Nach den alten Kirchenbüchern gehörten Rotensol, Neusatz und Dobel kirchlich zusammen und
                  zählten 1581 etwa 230 Seelen, Rotensol und Neusatz je etwa 50. Nach dem 30jährigen Krieg im
                  Jahr 1650 existieren in Rotensol in den vier von den 22 übriggebliebenen Häusern noch fünf
                  Menschen. In Neusatz sind vor dem Krieg 35 Familiennamen nachzuweisen, danach nur noch
                  12. In der folgenden Zeit steigen die Einwohnerzahlen langsam aber stetig, um 1850 einen
                  Höhepunkt zu erreichen: Neusatz 500 - Rotensol 440.
                  Um 1700 kommt es zur Besiedlung des "Viertels" zwischen Neusatz und Rotensol. Nach 1850
                  ging die Einwohnerzahl wegen der Auswanderung zurück. Bereits 1830 wanderten in Neusatz
                  19 Personen aus, 1846 21 Personen, 1864 15 Personen, 1884 25 Personen. Insgesamt sollen es
                  237 gewesen sein (128 männliche und 109 weibliche Auswanderer). 1930 wurden etwa wieder
                  die Zahlen von 1850 erreicht. Die Zahlen von 1970 betrugen 633 Einwohner, darunter 584
                  evangelische und 46 katholische.
                  Zu Rotensol gehören auch das Dobeltal und die Steinhäusle. Bei den Steinhäusle verlief die
                  Grenze zum Badischen. Noch heute erinnert ein obeliskartiger Stein an dieser Stelle an die
                  Zollstation zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg. Die
                  Grenzstation wurde 1860 aufgehoben. Baden-Württembergische Grenzsteine befinden sich in
                  mehreren Exemplaren noch heute entlang des Höhenrundweges auf der nördlichen Seite von
                  Rotensol nach Neusatz. Sie tragen auf der einen Seite die drei württembergischen Hirschstangen,
                  auf der anderen das Badische Wappen mit dem Schrägstreifen, oft mit Jahreszahlen; oben
                  befindet sich, soweit nicht schon verwittert, die Grenzrute.
                  Etwa 1450 erhielt Württemberg die erste Gemeindeverfassung. Dobel wurde eine Gemeinde, zu
                  der auch die Weiler Neusatz und Rotensol. Neusatz entsandte später als Vertreter einen Anwalt
                  nach Dobel. Später wurden Neusatz und Rotensol verwaltungsmäßig zusammen gelegt. Neusatz
                  wählte einen Schultheißen und Rotensol hatte einen Anwalt in Neusatz. Ab 1466 bis 1972 hatte
                  Neusatz 23 Schultheißen, später Bürgermeister genannt. im Jahre 1803 erfolgte die Trennung
                  von Neusatz.
                

                  Als Bedeutende Marksteine in der Entwicklung von Neusatz sind weiter zu nennen:
                  1829: Bau der Rathäuser in Neusatz und Rotensol (Neubau 1973).
                  1893: Erste Wasserleitung in Neusatz
                  1899: Die Albtalbahn bringt Karlsruhe nahe.
                  1911: Neusatz erhält elektrisches Licht.
                  1965: Einweihung der Auferstehungskirche in Neusatz
                  1972: Neusatz und Rotensol werden Stadtteile von Bad Herrenalb.
 

                  Mit der Eingemeindung der beiden Gemeinden im Jahre 1972 schließt sich der Ring wieder